Autor: Patrik Meier
Erstellt am: 10.06.2026
Warum gerade ältere Menschen Krafttraining brauchen - und es selten tun.
Es gibt eine Ironie im Bereich Bewegung und Gesundheit, die selten ausgesprochen wird: Die Menschen, die am meisten von Krafttraining profitieren würden, sind oft diejenigen, die die grössten Hürden überwinden müssen. Gemeint sind ältere Menschen. Mit zunehmendem Alter verlieren wir Muskelmasse, Kraft und Stabilität. Dieser Prozess beginnt früher, als viele glauben - und beschleunigt sich mit jedem Jahr ohne ausreichende Belastung. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter die Bedeutung von Kraft. Sie entscheidet darüber, ob wir aufstehen, gehen, tragen und unseren Alltag selbstständig bewältigen können. Gerade deshalb wäre Krafttraining im Alter besonders wichtig.
Muskelabbau stoppen: Warum Krafttraining für ältere Menschen entscheidend ist
Eine aktuelle Studie von Christopher Hurst und Kollegen zeigt, dass genau hier drei Hürden entstehen. Die erste Hürde ist erstaunlich einfach: Unwissen. Viele ältere Menschen wissen gar nicht, was Krafttraining eigentlich ist. Sie verbinden Bewegung vor allem mit Spazieren, Velofahren oder Gymnastik. Dass gezieltes Training mit Widerstand Muskeln und Knochen stärkt und damit Selbstständigkeit im Alter sichern kann, ist vielen nicht bewusst. Manche halten Krafttraining im Alter sogar für ungeeignet oder gefährlich.
Psychologische Barrieren: Die Angst vor dem Training mit Gewichten
Die zweite Hürde ist psychologischer Natur: das Gefühl, nicht mehr dazu fähig zu sein. Viele ältere Menschen glauben, Krafttraining sei etwas für Junge. Sie trauen sich nicht mehr zu, mit Gewichten zu trainieren. Der Gedanke, dass Kraft trainierbar bleibt - auch im hohen Alter -, erscheint ihnen unrealistisch. Aus dieser Selbstwahrnehmung entsteht eine stille Barriere: Man versucht es gar nicht erst. Die dritte Hürde ist vielleicht die wichtigste: das Bedürfnis nach Anleitung.
Die Lösung für den Einstieg: Begleitung und Struktur statt abstrakte Empfehlungen
In der Studie zeigte sich, dass viele ältere Menschen durchaus bereit wären, Krafttraining im Alter auszuprobieren - wenn sie dabei begleitet werden. Sie möchten verstehen, was sie tun. Sie möchten sicher sein, dass die Übungen zu ihrem Körper passen. Und sie möchten jemanden haben, der ihnen zeigt, wie Training funktioniert.
Das ist eine wichtige Erkenntnis. Denn häufig wird Bewegung im Alter wie eine einfache Empfehlung formuliert: Man solle sich mehr bewegen, mehr Sport treiben, aktiver sein. Für viele ältere Menschen ist das jedoch keine konkrete Anleitung, sondern eine abstrakte Forderung. Gerade bei Menschen mit mehreren Erkrankungen oder körperlicher Schwäche braucht Training Struktur, Individualisierung und Vertrauen. Krafttraining ist deshalb nicht nur eine Frage der Disziplin. Es ist auch eine Frage der Vermittlung. Wer versteht, warum Kraft wichtig ist, traut sich eher zu beginnen. Wer erlebt, dass Training möglich ist, gewinnt Vertrauen. Und wer dabei begleitet wird, bleibt eher dabei.
Fazit: Der Körper lernt ein Leben lang
Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitsförderung unserer Zeit: älteren Menschen nicht nur Bewegung zu empfehlen, sondern ihnen zu zeigen, dass Kraft trainierbar bleibt. Auch dann, wenn sie bereits verloren gegangen ist. Denn der Körper kann sich anpassen. Ein Leben lang.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob ältere Menschen trainieren können. Die eigentliche Frage lautet, ob wir ihnen endlich zeigen, wie. Denn eines ist sicher: Der Körper ist darin erstaunlich geduldig. Er wartet einfach darauf, wieder gebraucht zu werden.
Chief Operating Officer (COO)
Über Patrik Meier
Patrik Meier ist Chief Operating Officer (COO) der Kieser Training AG und seit 2011 Mitglied der Geschäftsleitung. Der diplomierte Maschinen- und Wirtschaftsingenieur Patrik Meier hat umfangreiche Erfahrungen in Vertrieb, Marketing und Markenführung. Vor seiner Tätigkeit bei Kieser war er in verschiedenen Führungspositionen in der Gesundheitsbranche tätig. Seine Leidenschaft für Krafttraining entwickelte er durch die erfolgreiche Bekämpfung seiner eigenen Rückenbeschwerden. Er ist davon überzeugt, dass effektives Krafttraining ein Schlüssel zur Prävention und Behandlung von Zivilisationserkrankungen ist.