Autor: Patrik Meier
Erstellt am: 22.06.2026
Was wäre, wenn die inneren Organe lediglich die Diener der Muskeln wären? Das jedenfalls war eine Prämisse von Werner Kieser. Eine steile Behauptung. Und eine, die zunächst irritiert. Schliesslich gelten Herz oder Gehirn als die zentralen Instanzen unseres Körpers, während Muskeln oft auf Bewegung, Haltung oder Aussehen reduziert werden. Kieser kehrte diese Perspektive um. Nicht aus Provokationslust (oder doch?), sondern aus funktionalem Denken. Seine Prämisse lautete: Muskeln sind der Motor des Organismus. Sie fordern Leistung, erzeugen Bedarf und geben den Takt vor. Die inneren Organe reagieren darauf. Sie versorgen, regulieren, entsorgen. Sie dienen. Das ist kein biologisches Detailargument, sondern ein Denkmodell.
Die Bedeutung von Krafttraining: Warum Muskeln die Taktgeber sind
Und wie bei allen Prämissen gilt: Akzeptiert man sie, wird plötzlich vieles logisch.
Warum Muskeln regelmässig belastet werden müssen.
Warum Krafttraining nicht eine Trainingsform unter vielen ist, sondern eine Form der Grundversorgung.
Und warum gezielte, messbare Belastung wichtig ist als möglichst viel Bewegung oder möglichst abwechslungsreiche Reize.
Sinnvolle Belastung statt Schonung: Verantwortung für den Körper
Diese Sichtweise steht im deutlichen Kontrast zur heutigen Fitness- und Gesundheitskultur. Dort ist oft von “Aktiv sein", von “moderater Bewegung” oder von “Herz-Kreislauf-Gesundheit” die Rede. Alles richtig - aber häufig ohne klare Hierarchie. Kiesers Prämisse setzt genau diese Hierarchie: Ohne belastbare Muskulatur fehlt dem System der Antrieb. Besonders aufschlussreich ist diese Sichtweise beim Thema Altern - heute gern “Longevity” genannt. Wir sprechen viel über alternde Organe, über nachlassende Funktionen. Weniger darüber, dass Muskeln mit zunehmendem Alter oft nicht mehr gefordert werden. Doch was geschieht mit einem System, dessen Auftraggeber keine Aufträge mehr erteilen? Vielleicht werden Organe nicht zuerst schwächer, weil sie altern. Vielleicht altern sie, weil ihre zentrale Aufgabe fehlt.
Kieser Prämisse duldet keine Beliebigkeit. Wenn Muskeln zentral sind, müssen sie gezielt und systematisch trainiert werden. Nicht als Lifestyle, sondern als Verantwortung gegenüber dem eigenen Körper. Nicht, um besser auszusehen, sondern um das System arbeitsfähig zu halten. Vielleicht ist genau das die eigentliche Provokation dieser Prämisse: Dass Gesundheit nicht aus Schonung entsteht, sondern aus sinnvoll gesetzter Belastung. Und dass unsere Muskeln mehr sind als Mitläufer. Sie sind Auftraggeber. Der Rest folgt.
Chief Operating Officer (COO)
Über Patrik Meier
Patrik Meier ist Chief Operating Officer (COO) der Kieser Training AG und seit 2011 Mitglied der Geschäftsleitung. Der diplomierte Maschinen- und Wirtschaftsingenieur Patrik Meier hat umfangreiche Erfahrungen in Vertrieb, Marketing und Markenführung. Vor seiner Tätigkeit bei Kieser war er in verschiedenen Führungspositionen in der Gesundheitsbranche tätig. Seine Leidenschaft für Krafttraining entwickelte er durch die erfolgreiche Bekämpfung seiner eigenen Rückenbeschwerden. Er ist davon überzeugt, dass effektives Krafttraining ein Schlüssel zur Prävention und Behandlung von Zivilisationserkrankungen ist.