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Ein Mann führt im Kieser-Studio an der LE-Maschine ein Rückentraining zur Kräftigung der Rückenmuskulatur durch.

Der Wirkungsgrad des Menschen

Autor: Patrik Meier
Erstellt am: 23.06.2026

Im Physikunterricht ging es um Kraft, Arbeit, Leistung oder Wirkungsgrad. Begriffe, die damals trocken wirkten und trocken mit Kreide geschrieben auf der Wandtafel standen. Viele von uns lernten die Formeln für die Prüfung und vergassen sie danach wieder. Dabei steckt in diesen Begriffen und Formeln vielleicht mehr über das Leben, als wir damals ahnten.

Denn eigentlich beschreibt die Physik nicht nur Mechanik und Maschinen. Sie beschreibt auch uns Menschen.

Manchmal denke ich daran, wenn ich morgens früh zum Bus und Bahnhof laufe und sehe, wie müde viele Menschen geworden sind. Nicht nur körperlich müde. Sondern erschöpft auf eine tiefere Art. Als würde ständig Energie verloren gehen, ohne dass daraus noch wirkliche Bewegung entsteht. Der Tag beginnt oft schon mit innerer Spannung. Das Smartphone wartet bereits. Die Gedanken sind schneller wach als der Körper. Und am Abend bleibt häufig das Gefühl zurück, den ganzen Tag beschäftigt gewesen zu sein, ohne wirklich etwas Wesentliches bewegt zu haben.

Schlechter Wirkungsgrad: Warum wir im Alltag Energie verlieren

Die Physik kennt dafür einen einfachen Begriff: Wirkungsgrad. Schlechter Wirkungsgrad.
Er beschreibt das Verhältnis zwischen eingesetzter Energie und jener Energie, die tatsächlich wirksam wird. Kein System arbeitet verlustfrei. Ein Teil geht immer verloren. Durch Reibung. Durch Widerstände. Durch Wärme. Bei Maschinen lässt sich das berechnen. Beim Menschen lässt es sich fühlen. Stress ist ein solcher Energieverlust. Schlechter Schlaf ebenfalls. Permanente Erreichbarkeit. Bewegungsmangel. Ein Nervensystem, das nie mehr wirklich zur Ruhe kommt. Viele Menschen leben heute wie Autos mit angezogener Handbremse. Der Motor läuft zwar ununterbrochen, aber ein beträchtlicher Teil der Energie verpufft unterwegs.

Vielleicht erklärt das, weshalb sich so viele Menschen gleichzeitig erschöpft und unruhig fühlen.

Krafttraining und Energie: Weit mehr als nur Fitness und Selbstoptimierung

Und vielleicht erklärt es auch, weshalb Krafttraining weit mehr ist als das, wofür man es heute oft hält. Nicht Fitness. Nicht Selbstoptimierung. Sondern Instandhaltung, Wartung oder Service. Im Physikunterricht lernten wir auch: Kraft ist Masse mal Beschleunigung. Kraft wiederum, die über einen Weg wirkt, ergibt Arbeit. Und Arbeit, die in einer bestimmten Zeit verrichtet wird, ergibt Leistung. Damals waren das Formeln. Heute sehe ich darin beinahe eine Beschreibung menschlicher Existenz.

Denn wer keine Kraft mehr besitzt, kann irgendwann auch keine Arbeit mehr verrichten. Nicht nur im beruflichen Sinn. Sondern überhaupt. Für die Familie. Für Verantwortung. Für Herausforderungen. Für das Leben selbst.

Tragfähigkeit erhöhen: Die Fähigkeit des Menschen, wirksam zu bleiben

Krafttraining erhöht deshalb nicht einfach Muskelmasse. Es erhöht die Fähigkeit des Menschen, wirksam zu bleiben.

Ein kräftiger Körper arbeitet ökonomischer. Bewegungen werden stabiler und sicherer. Gelenke und Wirbelsäule werden entlastet. Der Körper benötigt für viele Belastungen weniger Energie. Menschen mit Kraft ermüden langsamer. Sie bleiben länger selbstständig, widerstandsfähig und tragfähig. Dieses Wort gefällt mir besonders gut. Tragfähigkeit. Denn genau sie scheint vielen Menschen langsam verloren zu gehen. Der moderne Mensch versucht ständig, Leistung zu erzeugen, während gleichzeitig die Grundlage dafür schwindet. Die Muskulatur baut ab. Die Erholung wird schlechter. Die innere Spannung steigt. Und irgendwann genügen kleine Belastungen, um grosse Erschöpfung auszulösen.

Vielleicht hätten wir aus dem Physikunterricht genau das mitnehmen sollen: dass Energie allein nicht genügt. Entscheidend ist, wie viel davon tatsächlich wirksam wird. Und dass Kraft nicht einfach etwas für Sportlerinnen und Sportler ist, sondern eine Voraussetzung dafür, das Leben tragen zu können, ohne daran zu zerbrechen.

Chief Operating Officer (COO)

Über Patrik Meier

Patrik Meier ist Chief Operating Officer (COO) der Kieser Training AG und seit 2011 Mitglied der Geschäftsleitung. Der diplomierte Maschinen- und Wirtschaftsingenieur Patrik Meier hat umfangreiche Erfahrungen in Vertrieb, Marketing und Markenführung. Vor seiner Tätigkeit bei Kieser war er in verschiedenen Führungspositionen in der Gesundheitsbranche tätig. Seine Leidenschaft für Krafttraining entwickelte er durch die erfolgreiche Bekämpfung seiner eigenen Rückenbeschwerden. Er ist davon überzeugt, dass effektives Krafttraining ein Schlüssel zur Prävention und Behandlung von Zivilisationserkrankungen ist.